Datengetriebene Schnittstellen in eCommerce Projekten – was es so kompliziert und auch kritisch macht

SAP / Salesforce / Microsoft Dynamics / Shopware Schnittstellen mit elastic.io

Renat – bitte stelle Dich, Dein Unternehmen und Euer Produkt in ein paar Sätzen vor

Renat Zubairov Gründer und Geschäftsführer von elastic.ioDas Unternehmen elastic.io gibt es bereits seit Ende 2012, seitdem arbeiten wir auch an unterschiedlichen Integrationslösungen mit dem Fokus auf die Retail und Telekommunikations-Industrien sowie auf ISV-Anbieter und Systemintegratoren. Unser Hauptprodukt ist jedoch eine Cloud-basierte Integrationsplattform as a Service, die – verglichen mit den unternehmenseigenen Integrationsarbeiten – eine schnellere Anbindung solcher Business-Lösungen wie Salesforce, MS Dynamics Navision oder Magento aneinander und an die bestehende IT-Infrastruktur ermöglicht.

Der Unternehmer fragt in IT Projekten gerne einmal in Bezug auf Schnittstellen „das kann doch nicht so schwer sein“. Warum sind Daten-Schnittstellen in eCommerce Projekten so kritisch?

Jedes Unternehmen generiert heutzutage eine enorme Menge von Daten, und das gilt umso mehr für den Bereich eCommerce. Ergebnisse der Marketingkampagnen, Bestand der Waren in mehreren Warenhäusern, das Verhalten der Website- oder Onlineshop-Besucher, das Kaufverhalten auf den unterschiedlichen Verkaufsflächen, – all das liefert Informationen, die häufig isoliert in ihren eigenen entsprechenden Systemen sitzen, z.B. in einer Marketingplattform wie Hubspot, oder in einem oder gar mehreren ERP Systemen, usw.

Das macht jedoch wenig Sinn, denn viele Prozesse, Entscheidungen und Maßnahmen werden mit der Zeit zunehmend datengetriebener, und dafür braucht man einen möglichst vollständigen Überblick über Daten aus mehreren unterschiedlichen Quellen. Auch die Verschmelzung des Online- und Offline-Geschäfts z.B. dank dem ROPO-Effekt oder durch das Click&Collect Konzept erfordert, dass alle involvierten Systeme einen aktuellen Datenstand haben. Sonst stellen Sie sich vor: Ihr Kunde kauft Ihr Produkt im Onlineshop, will vor Ort abholen, kann aber nicht, weil das Verwaltungssystem in Ihrem Laden mit dem System des Onlineshops nicht synchronisiert ist und den Kauf deshalb nicht “mitbekommt”. Eine echte Story, übrigens.

Was sind die häufigsten Fehler bei selbst programmierten / individuellen Schnittstellen?

In erster Linie wird die Dauer und der Schwierigkeitsgrad solcher Projekte maßgeblich unterschätzt. Selbst wenn es dabei um API-basierte Schnittstellen geht, die eigentlich im Vergleich zu anderen Ansätzen für Einfachheit stehen, kann die Entwicklung so einer Schnittstelle im Schnitt vier bis sechs Monate dauern. Man muss sie ja von Null aufbauen, außerdem gibt es teilweise enorme Unterschiede in der Businesslogik der Anwendungen. Und natürlich nicht zu vergessen, dass zwei Schnittstellen nicht miteinander kommunizieren werden, nur weil sie da sind. Man muss dafür noch eine enorme Infrastruktur schaffen, durch welche die Einsatzregeln überhaupt erst bestimmt werden können: Wie fängt die Kommunikation zwischen den Schnittstellen an? Wann soll sie aufhören? Was passiert, wenn das Empfangssystem die Dateien nicht erkennt oder nicht akzeptiert? Wie geschieht die Kommunikation in erster Linie?, und so weiter.

Zu den häufigsten Fehlern gehört auch das Fehlen der vorausschauenden Planung. Oft wird eine Schnittstelle nicht im Rahmen einer Gesamtstrategie, mehrere Datenquellen zu vernetzen, entwickelt, sondern lediglich als so eine Art “quick fix”, um eine Anwendung an eine andere anzubinden, beispielsweise eine CRM an einen Onlineshop. Es wird dabei gar nicht mitbedacht, dass es heute vielleicht nur zwei Anwendungen sind, aber morgen höchstwahrscheinlich noch eine dritte oder gar mehrere Anwendungen hinzukommen werden. Und in dem Fall muss das Ganze wieder von vorne angefangen werden, weil die so genannte Point-to-Point Anbindung zwischen zwei Anwendungen auf weitere Systeme nicht ausweitbar ist.

Zu guter Letzt ist man bei individuellen Schnittstellen viel zu sehr auf den jeweiligen Entwickler angewiesen. Es gibt ja in diesem Bereich wenig Standardisierung. Das heißt, wenn der Entwickler nicht mehr verfügbar ist und die Schnittstelle nicht mehr funktioniert, weil es einen Update gab oder weil ein Error eine der verknüpften Anwendungen an der Weiterverarbeitung der Daten hindert, kann man die Schnittstelle im schlimmsten Fall überhaupt nicht mehr verwenden.

Wie könnt ihr mit Eurem Produkt helfen, die Schnittstellenwelt ein bisschen besser machen?

Das fängt schon damit an, dass unsere Plattform genau die Art der Infrastruktur schafft, welche die Kommunikation zwischen den Schnittstellen überhaupt erst ermöglicht. Alle Einsatzregeln sind bereits definiert, und wenn die entsprechende API gewisse Funktionen nicht unterstützt, z.B. die automatische Übermittlung der neuen oder aktualisierten Daten an die andere Anwendung, kann man solche APIs mittels bestimmter Elemente auf der Plattform, wie beispielsweise Webhooks, doch ‘überlisten’.

Außerdem ist in so einem Produkt wie unsere Integrationsplattform natürlich sehr viel Erfahrung und fachliche Expertise gesammelt worden. Da wir wissen, dass es wenig Standardisierung im Bereich Schnittstellen gibt, wie ich es bereits erwähnt habe, haben wir viele Prozesse standardisiert bzw. visualisiert. Nehmen wir zum Beispiel die Entwicklung einer Schnittstelle an sich: auf unserer Plattform bieten wir zwei Vorlagen, eine für Javascript und die andere für Java. Mithilfe dieser Vorlagen können Entwickler sehr schnell lernen, wie sie eine Schnittstelle für unsere Plattform erstellen und wie sie unsere SDK verwenden können.

Auch die nötigen Tools für das Testing und Error-Handling sind vorhanden, und zwar in jeder Phase des Anbindungsprozesses: von der Erstellung der einzelnen Schnittstellen bis hin zur Überwachung der fertiggestellten Anbindungen. So, zum Beispiel, können die Entwickler mittels unseres Integration Flow Designers noch beim Mappen der Datenfelder die echten vorhandenen Metadaten nutzen, um zu prüfen, ob sie es richtig hinbekommen haben.

Datensicherheit besteht zu Teilen auch aus Daten-Integrität – wie stellt ihr diese sicher?

Wenn wir über Datensicherheit insgesamt sprechen, wird diese unter anderem durch Verschlüsselungsalgorithmen gewährleistet, welche auch die Datenintegrität auf der technischen Ebene garantieren. Auf der Business-Ebene wird die Datenintegrität durch die transaktionale Semantik von dem elastic.io Messaging Bus unterstützt. Wir setzen aber auch spezielle Algorithmen und Methoden, um Datenintegrität in verteilten Systemen sicherzustellen.

Wie kompliziert ist die Integration einer Schnittstelle auf Basis elastic.io? Kannst Du das an einem Beispiel exemplarisch erklären?

Zunächst muss natürlich die entsprechende Schnittstelle auf der elastic.io Plattform vorhanden sein, um sie anschließend integrieren zu können. Momentan gibt es auf der Plattform insgesamt über 70 diverse Schnittstellen, wobei einige davon Open-Source sind, während andere unseren Partnern angehören. Im Schnitt dauert jedoch die Entwicklung einer Schnittstelle auf der Plattform erfahrungsgemäß nur wenige Tage, manchmale sogar paar Stunden, je nach der Qualität der entsprechenden API-Dokumentation und der Komplexität der Schnittstelle, des Einsatzszenarios oder der Geschäftslogik.

Nun mal angenommen wollen wir SAP ByDesign mit Salesforce verknüpfen. Beide Schnittstellen sind auf der Plattform bereits vorhanden. Der Integration Flow Designer spielt dabei die zentrale Rolle. Diese Komponente visualisiert das ganze Prozess von der Auswahl der Schnittstelle und deren richtigen Version, falls es mehrere gibt, über die Auswahl des nötigen Geschäftsprozesses, zum Beispiel, Aktualisierung von Kundendaten, bis hin zum Mappen der Datenfelder zwischen zwei Schnittstellen, in dem Fall zwischen SAP ByDesign und Salesforce. Dank diesem Verfahren dauert es nur wenige Stunde, eine Schnittstelle einzurichten.

Welche Kosten kommen bei der Integration Eures Produktes auf den Kunden zu?

Unser Kostenmodell ist das klassische Pay-Per-Use. Darunter versteht sich die Nutzung der Plattform samt aller Konnektoren, die bereits vorhanden sind oder in Zukunft entwickelt werden. Man muss aber das Ganze so betrachten: Unsere Plattform ist praktisch das Zentrum eines Ökosystems, und auch wenn die Unternehmen meistens nur mit der Integration von zwei Systemen starten, geht diese Zahl dank der Flexibilität, welche die Plattform gewährleistet, ziemlich schnell nach oben. Insofern würden zusätzliche Kosten auf die Kunden dadurch zukommen, dass es zusätzliche RAM Memory oder mehr Speicherkapazitäten benötigt werden. Diese Kosten sind aber überschaubar und werden selbstverständlich explizit kommuniziert.

Was ist Dein Top-Ratschlag #1 in Bezug auf IT und Prozesse für Onlineshop-Betreiber?

Es ist in der letzten Zeit bereits mehrmals erwähnt worden, dass Unternehmen in den nächsten 1-3 Jahren zunehmend in die Analytics-Systeme investieren werden, um als Beispiel nicht nur den aktuellen Kundenverhalten analysieren, sondern auch den zukünftigen Kundenverhalten vorhersagen zu können. Dies gilt umso mehr für den eCommerce-Bereich.

Dafür brauchen Analytics-Systeme Input in Form von Daten aus allen Systemen im Unternehmen. Das wird aber nicht zustandekommen, wenn diese Systeme eine mangelnde Integrierbarkeit haben. Daher ist mein persönlicher Ratschlag: In der Kaufentscheidungsphase sollten die Onlineshop-Betreiber nicht nur die erkennbaren Kosten eines Systems berücksichtigen, sondern auch die Kosten der Integration dieses Systems in die bestehenden Ökosysteme.

Welche Features werdet ihr Euren Kunden in Zukunft anbieten können?

Unsere Integrationsplattform ist kein statisches Produkt, jeden Monat gibt es entweder Updates, oder neue Konnektoren, oder neue Funktionalitäten. Es ist auch nicht immer möglich, genaue Pläne zu nennen, denn viele von den neuen Funktionalitäten und Konnektoren sind durch das Kundenfeedback entstanden. Als Beispiel für die nahen Zukunftspläne steht das Forking-Feature auf der Agenda, die es erlauben wird, Daten aus einem System zu mehreren Systemen gleichzeitig zu schicken.

Wir haben aber auch ein großes langfristigeres Projekt am Start, das übrigens von BMWi unterstützt wird. Dieses betrifft die Förderung von Ökosystemen für Integrationsprozesse durch den sogenannten Open Integration Hub, oder kurz OIH. Als Folge dieses Projekts werden wir in Zukunft nicht nur Anwendungsintegration, sondern auch Master Data Management (MDM) anbieten können.

Mehr Informationen zu elastic.io auf der elastic.io Homepage

Avatar für Lars Denzer Experte für Shopsysteme / eCommerce Warenwirtschaftssysteme
Über Lars Denzer 75 Artikel

Geboren 01.09.1971, Studium an der TU-Kaiserslautern, Abschluss Dipl.-Biol. mit Abschluß in der Fachrichtung „neuronale Netzwerke“, leitet Lars Denzer die technologische und strategische Entwicklung der omeco GmbH seit Gründung des Unternehmens. Zu den Schwerpunkten von Lars Denzer gehört die Beratung, Konzeption und Umsetzung von eCommerce Software (Shopsystem + Warenwirtschaftssystem). Für den ERP-Shopsoftware.de Blog ist er redaktionell für die Inhalte verantwortlich und pflegt die Marktübersicht der Shopsysteme.

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