Alexander Graf: Spryker – E-Commerce Software reloaded – das Ende des klassischen Onlineshop?

Spryker Interview mit Alexander Graf über die Zukunft der Shopsysteme

Interview mit Alexander Graf von Kassenzone und SprykerDer Wandel im E-Commerce befindet in vollem Gange. So wie Ende der 1990er Jahre das neue Genre des Onlineshop E-Commerce die Welt des klassischen Handels verändert hat, so ist heute abzusehen, dass eine neue, kommende Generation technischer Lösungen den Markt verändert. Den Anspruch eines „E-Commerce Betriebssystems“ haben bereits mehrere Lösungsanbieter in Ihren Broschüren für sich beansprucht. Spryker nähert sich diesem Anspruch deutlich, indem es sich von der Anmutung des klassischen Shopsystem, das man mit Plugins erweitern und mit Templates aufhübschen kann, deutlich distanziert. Spryker ermöglicht durch seinen konsequenten, serviceorientierten Ansatz die Integration sämtlicher, denkbarer Ein- und Ausgabemedien, die im jetzigen IoT Zeitalter möglich sein könnten.

Hallo Alex, auch wenn Du als Top-Influencer ein Star der deutschen E-Commerce Szene bist – bitte stell Dich doch noch einmal kurz vor

Ich bin 37 Jahre alt, E-Commerce Unternehmer und Herausgeber von Kassenzone.de und “Das E-Commerce Buch”. Angefangen mit “richtigem” E-Commerce habe ich als Business Developer bei der Otto Group, ab 2011 habe ich zusammen mit Nils Seebach und Tarek Müller einige Unternehmen gegründet und seit Ende 2014 kümmere ich mich vor allem um Spryker Systems. Abgesehen davon wohne ich auf einem Bauernhof mit Frau, Kindern, Rindern, Pferden und natürlich Oma & Opa.

Standard-Onlineshop-Systeme sind bereits auch schon etwa 20 Jahre am Markt verfügbar – wie revolutioniert ihr mit Spryker die Welt?

Die meisten Standard-Onlineshop-Systeme wurden in einer Zeit konzipiert, als man E-Commerce noch sehr einfach als “Produkte online verkaufen” verstanden hat mit dem primären Ausgabemedium Desktopbildschirm. Beide Annahmen sind für die digitalen Herausforderungen von heute nicht mehr aktuell. Auf der einen Seite haben wir es mit unzähligen neuen Interfaces zu tun und der Desktop ist in vielen Fällen nur noch ein Backuptool, wenn andere Interfaces nicht funktionieren. Auf der anderen Seite gibt es bei größeren E-Commerce Projekten zu wenig gemeinsame Anforderungen die es ermöglichen auf “Standards” zu setzen. Standardshops sind bei fast allen neuen Projekten eher hinderlich für den Projekterfolg.

Grundsätzlich können das die Anderen aber auch – wie positioniert Ihr Euch mit Spryker gegen Enterprise Systeme wie Hybris oder IBM?

Unsere Kunden sagen da etwas anderes. Viele haben ja ihre einschlägigen Erfahrungen mit den traditionellen Enterprise Systemen gemacht und wenn das Versprechen “Kaufe Standard und kümmere dich nur um dein Business” aufgehen würde, dann gäbe es ja keinen Markt für Spryker. Die Kunden haben aber nun gelernt, dass Commerce Technologie nicht mehr Teil des Cost Centers sind, wie z.B. ERP Systeme oder Kassensysteme, sondern alles was digital zum Kunden passiert Teil des Geschäftsmodells wird und man sich darüber vom Wettbewerb abheben muss. Damit scheiden Standardsysteme aus dem Selektionsprozess aus und es bleiben dann mit dem Spryker Commerce OS nur noch wenige relevante Anbieter übrig, die auch in Hochlastumgebungen funktionieren. Wir positionieren und nicht gegen Hybris oder IBM. Diese Technologien lösen ein anderes Problem, ein Problem was Unternehmen im digitalen Zeitalter allerdings kaum noch haben.

Software-Customizing beinhaltet das Problem, dass in Projekten Insellösungen geschaffen werden und Shopsoftware kaum noch zu upgraden sind. Wie löst ihr dieses Problem?

Wir hören oft den Wunsch, dass man sich jetzt gerne auf ein System festlegen würde, dass ein für alle mal in der Zukunft funktioniert. Dieses Versprechen haben u.a. SAP, Microsoft und IBM ihren Kunden gegeben, aber in der Realität steht dann doch wieder nur Stückwerk herum. Wir lassen unseren Kunden die Wahl welche Teile von Spryker er nutzt, ob er z.B. ein externes PIM integriert oder das interne nutzt und er kann selber entscheiden, welche Teile der Software er stark verändert und welche auch in Zukunft sehr einfach upzugraden sind. Das können wir mit unserer Architektur leisten, die extrem modular aufgebaut ist und trotzdem den Microservice Zoo, unter dem so viele große Unternehmen leiden, vermeidet. Wir hatten den Vorteil die Lösung komplett neu aufzubauen und konnten uns von den modernen Ansätzen aus der Zalando/Amazon & Co. Welt viel abschauen. Davon profitieren heute unsere Kunden.

Wie nutzen Eure Kunden die Vorzüge von Spryker – erzähl doch einmal bitte anhand weniger Praxisbeispiele?

Am Ende geht es bei Spryker darum ein extrem produktives Umfeld zu schaffen, dass es unseren Kunden ermöglicht jeden Tag neu zu experimentieren, um herauszufinden was die Kunden wollen und was am Ende des Tages zu mehr Umsatz führt. Das führt zu sehr unterschiedlichen Konstellationen wie z.B. bei Lekkerland, die in ihrem B2B Geschäftsmodell sehr viel experimentieren müssen, weil sich ihr Geschäft so schnell verändert und mit Spryker eine extrem leistungsfähige Lösung dafür bekommen, aber es wird auch ganz klassische für Shops wie Tom Tailor eingesetzt die damit mehrere Länder & Marken auf einer Entwicklungsumgebung betreiben. Viele unserer Kunden haben auch SAP im Einsatz, dass wie eine Art Warenwirtschaft in einer Sprykerumgebung funktioniert. Darüber hinaus haben wir aktuell viele Kunden die mit Spyker Marktplätze bauen und auch einige Kunden, wie z.B. ATU, die damit auch komplett neue Interfaces anbinden.

Wie wird sich aus Deiner Sicht der Shopsystem-Markt in den nächsten 5 Jahren verändern? Ist das traditionelle Shopsystem „End of life“?

Ich glaube, dass es neue Lösungen gibt von Anbietern die wir heute noch gar nicht kennen, aber in Zeiten von Shopify kann ich mir auch nicht mehr vorstellen, dass KMU sich wirklich noch on premise Systeme kaufen, weil deren Ziel in der Regel ist, dass sie wirklich nur einen Onlineshop haben. Im Enterprise Bereich, in dem wir auch aktiv sind, wird es sicher viele weitere Speziallösungen geben und im KMU Bereich wird die Entwicklung sicher von den GAFA dominiert, die es eigenständigen Onlineshops in Zukunft noch viel schwerer machen. End of life ist ein schwieriger Begriff. Es gibt auch heute noch “große” Onlineshops die irgendwo im Kern noch ein OsCommerce aus dem Jahr 2000 haben und viel Händler haben ja noch das IBM AS400 Problem im Keller stehen.

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Über Lars Denzer 81 Artikel
Geboren 01.09.1971, Studium an der TU-Kaiserslautern, Abschluss Dipl.-Biol. mit Abschluß in der Fachrichtung "neuronale Netzwerke", leitet Lars Denzer die technologische und strategische Entwicklung der omeco GmbH seit Gründung des Unternehmens. Zu den Schwerpunkten von Lars Denzer gehört die Beratung, Konzeption und Umsetzung von eCommerce Software (Shopsystem + Warenwirtschaftssystem). Für den ERP-Shopsoftware.de Blog ist er redaktionell für die Inhalte verantwortlich und pflegt die Marktübersicht der Shopsysteme.

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