Interview mit Eric Jankowfsky – Quo vadis stationärer Handel?

Poseidon POS Lösungen für den stationären Handel

Warum denkst Du hat der stationäre Handel die Zeit stillstehen lassen? Ist der stationäre Handel noch zu retten oder steht ihm der tödliche Hieb bevor?

Eric Jankowfsky POSeidon GmbH
Im Hintergrund ist die letzten Jahre immens viel passiert. Ganz ehrlich, aus meiner Sicht, sind es derzeit eher die E-Commerce-Jungs, die wie die Kaulquappen immer im eigenen Teich schwimmen, und nicht sehen was rechts und links vor sich geht.

Was den Traffic angeht: wir haben bei einem Kunden nur 55 Terminals aufgestellt und innerhalb von kürzester Zeit den achtfachen (!) Traffic generiert, wie der Kunde mit seiner Markenhersteller-Webseite mit Shop. Unterschätze auf keinen Fall den Multiplikator der Fläche.

Allerdings kommen auf uns alle harte Zeiten zu. On- und Offline. Das hat aber ganz andere Ursachen. Wenn über Digitalisierung gesprochen wird, also über „neues“ das sich extrem schnell entwickelt, dann muss als erster Schritt eine fehlertolerante Kultur im Unternehmen geschaffen werden.  Wenn das im Management nicht gelingt, dann gelingt eine wie auch immer geratene Digitalisierung auf keinen Fall. Mitarbeiter werden hier Fehler machen. Und wenn ein solcher Fehler „bestraft“ wird, dann ist eines sicher: die Kollegen bekommen das mit und werden garantiert keine Entscheidung treffen. Dann machen sie auch nichts falsch, was man ihnen anlasten könnte, und damit ist dann das Ende des Unternehmens besiegelt.

Die Innenstädte veröden, kleine Geschäfte verschwinden von der Bildfläche – Welche Impulse – ganz konkret – sowohl kaufmännischer, als auch technischer Natur siehst Du heute, um dem Einzelhandel einen Tritt zu verpassen?

Nein, dem Einzelhandel sollte kein Tritt verpasst werden. Dem Einzelhandel müssen praktikable, bezahlbare Lösungen an die Hand gegeben werden. Man kann sich kaum im Ansatz vorstellen, wie oft der Einzelhandel die letzten Jahrzehnte bereits gestorben ist? Erst waren es die Kaufhäuser, die alle Händler getötet haben, dann die Großflächenmärkte und jetzt der E-Commerce.
Gute Geschäftsmodelle hielten sich, und werden sich weiter halten. Es gibt doch super Beispiele, gerade von neuen Unternehmen wie zum Beispiel Mymüsli, die es auf die Fläche zieht.

Die Problematik, die der Handel heute zu spüren bekommt, kommt ja nicht nur von den Onlineshops und Amazon. Die Hersteller bringen viel zu schnell neue Ware auf den Markt. Im Fashionbereich gab es früher eine Frühjahrs- / Sommer-Kollektion und eine Herbst- / Winter-Kollektion. Heute reden wir nicht mehr von Kollektionen, sondern von Lieferterminen. Ich kenne Hersteller, die haben 14 Liefertermine pro Jahr! Das bedeutet, dass 14 x im Jahr neue Ware kommt, und die „alte“ reduziert werden muss. „Ein Wahnsinn“! Ein Fernseher hat heute einen Produktlebenszyklus von drei Monaten, wie soll sich der kleine Händler vor Ort denn da noch irgendwas auf Lager legen? Das geht nicht.

Und dann kommen noch ganz andere Fragen auf: Was soll man denn in der Stadt eigentlich noch machen? Ich sehe Bekleidungs- und Schuhgeschäfte (in jeder Stadt fast die gleichen), Optiker, Hörgeräte-Akustiker, Dönerbuden und Kaffees, Ein-Euro-Backstuben, sowie unzählige Apotheken.

Wenn ich also gerade keine Kleidung benötige, bereits eine Brille und/oder ein Hörgerät habe… was soll ich denn da noch? Das ganze garniert mit Parkhäusern aus den 70ern die für den damaligen VW Polo in Ordnung waren, in die man aber heute gar nicht mehr rein- oder rauskommst ohne das Auto zu zerkratzen.

Früher sind die Leute in die Stadt gezogen und haben einen höheren Mietpreis in Kauf genommen, weil sie dann eben nur eines, oder gar kein Auto brauchten und alles lebensnotwendige vor Ort bekamen. Jetzt Hand aufs Herz: hierfür sind die Strukturen in den Vororten heute besser als in der Stadt. Da bekommt man deutlich mehr.

Nicht nur der stationäre Handel hat Probleme – auch immer mehr Onlinehändler stehen unter Druck. Wo siehst Du für den Online-Handel die Hauptprobleme?

Kurz: Innovationsbremsen, langweilige Shops, austauschbare Sortimente. Mehr kann ich gar nicht dazu sagen als „Das macht mich traurig!“.

PayPal startet zur Zeit mit der Initiative „Business in a Box“ – praktisch ein Starter-Programm. Ist das eine Chance für junges Blut?

Ganz ehrlich: Keine Ahnung! Ich glaube eher weniger, wobei das nur ein Gefühl ist. Ich musste leider feststellen, dass ich mittlerweile für machen Dinge zu alt bin. Die verstehe ich nicht mehr. Wenn ich mir nur anschaue, was mein zwölfjähriger bei youtube konsumiert… ich verstehe es nicht.

Was kannst Du konkret mit Deinem Unternehmen POSeidon für den stationären- und für den Online-Handel tun?

Viel, nichts, alles – Suche es Dir aus. Nach mehr als 25 Jahren E-Commerce bringe ich die etablierten E-Commerce Prozesse inklusive aller Vorteile in den stationären Handel. Das Ganze ist schon recht smart gemacht. Für den Endkunden bedeutet das eben alle Vorteile des stationären Handels, also Beratung, Haptik, probieren, flanieren kombiniert mit allen Vorteilen des online Handels wie Warenverfügbarkeit, Service und so weiter.

Ganz unabhängig davon, welche Software welcher Händler einsetzt, muss dieser dafür Sorge tragen, dass er nach Hause liefern kann. Viele Kunden haben heute kein Auto mehr, und das wird in Zukunft noch verschärft. Stichwörter hierzu sind: grüne oder gar blaue Plakette, eBikes usw.

Die Meinungen gehen, was die Prozentzahl angeht auseinander. In der Sache sind sich jedoch alle einig. Man geht davon aus, dass zwischen 15 und 25% des Umsatzes, den Amazon in Deutschland macht, „stationär“ ausgelöst werden. Nicht weil die Kunden das wollen, sondern weil der Lieferservice UND die Retourenmöglichkeit fehlt.

Über POSeidon:  POSeidon Digital by Talihu GmbH legt ihren Fokus auf digitale Instore-Lösungen und kombiniert alle Vorteile des Online-/Mobile- Shoppings mit den Vorzügen des stationären Handels. Von der digitalen Erweiterung der Ladenfläche durch Kundenterminals, über optimale Kundenberatung dank Tablet-Lösungen für das Verkaufspersonal, bis hin zur Aufhebung des Ladenschluss mithilfe des interaktiven Schaufenster – POSeidon bringt mehr Umsatz auf gleicher Fläche und absolute Transparenz im gesamten Verkaufsprozess. Mehr Informationen unter www.poseidon.digital

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Über Lars Denzer 60 Artikel
Geboren 01.09.1971, Studium an der TU-Kaiserslautern, Abschluss Dipl.-Biol. mit Abschluß in der Fachrichtung "neuronale Netzwerke", leitet Lars Denzer die technologische und strategische Entwicklung der omeco GmbH seit Gründung des Unternehmens. Zu den Schwerpunkten von Lars Denzer gehört die Beratung, Konzeption und Umsetzung von eCommerce Software (Shopsystem + Warenwirtschaftssystem).

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