Mehr Erfolg durch Multichannel Commerce, ein Interview mit David Pohlmann

Mehr Erfolg durch Multichannel Commerce

David stell Dich doch bitte kurz vor

David Pohlmann von BillbeeMein Name ist David Pohlmann und ich wohne und arbeite ziemlich genau in der Mitte Deutschlands – weit weg von Hotspots wie Berlin & Hamburg ;-).

Nachdem ich viel klassischen IT-Vertrieb (Dienstleistungen, Software, etc.) sowie Account Management gemacht habe und einige Zeit im Ausland war, hat parallel zum Job das Thema E-Commerce & Entrepreneurship in meinem Leben eine immer größere Rolle eingenommen. Seit knapp einem Jahr bin ich jetzt hauptberuflich für Billbee tätig und beschäftige mich mit dem Multichannel-Handel von morgen.

Wo siehst Du im Jahr 2017 die größten Hürden für Online Pureplayer?

Die größte Hürde hat sicherlich einen Namen, und der ist Amazon. Amazon hat in der Vergangenheit sicher nicht immer alles richtig gemacht (insbesondere sicher auch was den Umgang mit Mitarbeitern etc. angeht), aber einfach ein geniales Händchen und viel Mut, wenn es um den Endkunden geht. Als Konsument kommt man an dem großen Marktplatz mittlerweile nicht mehr vorbei, und auch als Seller muss man sich – ob man will oder nicht – mit Amazon auseinandersetzen. Inwieweit sich Amazon letztendlich für oder gegen die Seite der Händler entscheidet, bleibt abzuwarten. Immerhin macht das Marktplatz-Geschäft für den Konzern inzwischen einen nicht unerheblichen Teil seines Gesamtumsatzes aus (https://www.digitalcommerce360.com/2016/01/28/amazon-sales-climb-22-q4-and-20-2015/). Zumindest geht Amazon mit Programmen wie „Seller Fulfilled Prime“ einen Schritt in die – für uns – richtige Richtung.

Was sind für Dich die wichtigsten Absatzkanäle im Internet?

Ganz klar: Heute sicher Amazon UND eigener Online-Shop! Wie das in 1-2 Jahren aussieht, kann vermutlich niemand voraussagen.

Jenachdem, in welchem Feld man sich bewegt, können auch Preisvergleiche nach wie vor eine wichtige Rolle spielen. Hier macht es aber tatsächlich nur Sinn, wenn über die Masse auch ein entsprechendes Ranking auf der vorderen Plätzen erzielt werden kann. Ich bin aber sicher, dass sich hier noch ganz neue, vllt. ungewöhnliche Kanäle auftun. Aktuell spielt Facebook z.B. noch eine vergleichsweise kleine Rolle, das könnte meiner Meinung nach noch sehr kippen. Genau wie In-App Käufe von physischen Produkten, sei es in Social Network Apps (wie Instagram und Snapchat) oder anderen Kategorien.

Lohnt sich eigentlich noch ein eigener Webshop oder empfiehlst Du Deinen Kunden Ihren Absatz über die Marktplätze zu treiben?

Ein Online-Shop lohnt sich immer, wenn die zusätzlichen Aufwände im Rahmen bleiben und sich der Erfolg einstellt.

Zum einen ist die Marge deutlich höher als bei einem Verkauf über den Marktplatz, zum anderen ist der Online-Shop ein Aushängeschild für die eigenen Produkte oder noch besser, für die eigene Marke.

Gerade Private Label Seller unterschätzen oft den Wert des eigenen Online-Shops wenn es um das Image bzw. die Bekanntheit der eigenen Marke geht. Unbekannte Marken, die plötzlich auf Amazon auftauchen, werden trotz guten Rezensionen von den Käufern oft noch „hinterfragt“, z.B. außerhalb Amazons gesucht. Wenn dann kein professioneller Webauftritt vorhanden ist, schwindet das Vertrauen.

„Die zusätzlichen Aufwände im Rahmen“ bedeutet, dass ich bei einem Wechsel von einem (z.B. Amazon) auf zwei Kanäle (z.B. plus eigener Online-Shop) nicht den doppelten Aufwand habe, sondern die bestehenden Prozesse weiterverwenden und auf beide Absatzkanäle anwenden kann. Eine große Rolle spielen hier meiner Meinung nach in Zukunft auch die Fulfillment-Dienstleister, egal ob Amazon selbst, DHL oder ein kleineres Unternehmen.

Was ist für den Shopbetreiber wichtiger? SEO oder SEM?

Aus meiner Sicht gibt es keine Branche, in der das Thema SEM (und darunter subsummiere ich jetzt auch einfach mal „paid ads“ bei anderen Plattformen) so relevant ist wie im E-Commerce.

Mit der heutigen Technologie lassen sich Klicks, Conversions, Umsätze und sogar Margen bis auf jeden einzelnen Cent umlegen und zuordnen, sodass die Kampagnen permanent variiert, selektiert und optimiert werden können.

SEO ist wichtig, aber gerade für neue & kleine Unternehmen immer schwieriger. Von daher ist meine klare Empfehlung, wenn entsprechendes Budget vorhanden ist, das Thema SEM auszuprobieren – und zwar am besten gemeinsam mit entsprechender externer Unterstützung (Agentur, Freelancer, etc.).

Welche Innovationen aus 2016 werden aus Deiner Sicht den eCommerce Markt in Zukunft nachhaltig verändern?

Ein großes Thema ist sicher B2B Commerce, also der Einzug des E-Commerce im klassischen Vertrieb zwischen Unternehmen.

Während das in der Vergangenheit keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt, wird sich das in Zukunft drastisch ändern.

Mit dem Start von Amazon Business hat der Konzern das Thema in Deutschland bereits früh erkannt und es werden sicher auch spannende neue Marktplätze, Softwarelösungen, Händler etc. zu diesem aufpoppen.

Wiedermal eine Chance, eine Branche zumindest teilweise zu disruptieren.

Spannend wird auch die Entwicklung im Bereich Augmented- oder Virtual-Reality: Hier denke ich insbesondere an die Fashion Branche, wo das Thema Rücksendungen eine schier ungeahnte Größenordnung erreicht hat.

Die Technologie ist heute bereits vorhanden (z.B. das Pilotprojekt „Avatar Platform“ von HPE), um Produkte bereits vor der physischen Bestellung online ausprobieren und „anziehen“ zu können, was die Rücksendelast vermutlich drastisch senken kann.

Das letzte Thema, was ich ehrlicherweise aber nicht wirklich gut beurteilen kann sind Chatbots. Aktuell in aller Munde und z.B. spätestens seit Chris Messina (https://medium.com/chris-messina/2016-will-be-the-year-of-conversational-commerce-1586e85e3991#.ruu22wpjt) auch im E-Commerce angekommen. Hier bin ich selber sehr gespannt, wie die Entwicklung ist und wann bzw. wo wir zukünftig mit künstlichen „Intelligenzen“ verhandeln werden.

Vielen Dank für das Interview David – auf welchen Veranstaltungen werden wir Dich in 2017 treffen?

Danke Lars, ich bin gespannt, was uns im E-Commerce Jahr 2017 alles erwartet und freue mich auf eine spannende Zeit!

Als Aussteller sind wir wenig bzw. gar nicht unterwegs, als Speaker / Besucher bin ich aber bei den „typischen Verdächtigen“. Bis einschließlich März ist aktuell geplant:

Regional: E-Commerce BarCamp OWL (09.02.2017), Internet Days in Detmold (22.02.2017), Netzwerktreffen E-Commerce OWL (08.03.2017), more to come…

National: Internet World (07.03.2017), plentymarkets Online-Händler-Kongress (17.03.2017), Online Marketing Konferenz Bielefeld (31.03.2017), more to come…

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Über Lars Denzer 75 Artikel

Geboren 01.09.1971, Studium an der TU-Kaiserslautern, Abschluss Dipl.-Biol. mit Abschluß in der Fachrichtung „neuronale Netzwerke“, leitet Lars Denzer die technologische und strategische Entwicklung der omeco GmbH seit Gründung des Unternehmens. Zu den Schwerpunkten von Lars Denzer gehört die Beratung, Konzeption und Umsetzung von eCommerce Software (Shopsystem + Warenwirtschaftssystem). Für den ERP-Shopsoftware.de Blog ist er redaktionell für die Inhalte verantwortlich und pflegt die Marktübersicht der Shopsysteme.

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