Neues aus der Freiburger eCommerce Schmiede – Roland Fesenmayr Gründer und CEO der OXID eSales AG im Interview

OXOD eSales Roland Fesenmayr im Interview

Roland Fesenmayr CEO der OXID eSales AG im Interview über Oxid eSalesOXID ist ein langjähriger, sehr erfolgreicher Software-Hersteller in der Branche und hat sich im Bereich B2B in den letzten Jahren einen deutlichen Marktanteil geholt. ,Auf der DMEXCO konnte man von Weitem auf dem Messestand von OXID eSales lesen „OXID eSales 6 – läuft“.

Das macht mich persönlich natürlich sehr neugierig und möchte mich heute mit Roland Fesenmayr, dem CEO und Mitgründer der OXID eSales AG darüber unterhalten.

Ohne viel zu Plänkeln steigen wir direkt in die Fragerunde ein, denn ich gehe einfach einmal davon aus, dass unsere Leser OXID eSales kennen.

Es wird in der Branche schon relativ lange über ein neues Major-Release gesprochen – OXID eShop Version 6. Kannst Du uns von den Neuerungen und dem Release berichten?

Wir haben unser Herzstück, den Softwarecode von OXID eShop, unter der Haube mit viel Liebe zum Detail und sehr umfangreich modernisiert, erweitert und verschlankt. Mit der neuen OXID eShop Generation haben Partner und Kunden die beste Basis, um darauf ihre E-Commerce Projekte für die Zukunft höchst rentabel und erfolgreich aufzusetzen. Wir haben die Software auf den neuesten Stand der Technik gebracht und fit für die Zukunft gemacht.

Kunden können den Shop jetzt noch leichter an ihr Geschäftsmodell anpassen, haben mehr Freiheit für die Eigenentwicklung und damit noch mehr Flexibilität. Unser Partner norisk in München hat auf Basis der neuen Version beim Kunden Kaffeekontor Bayern einen hervorragenden Shop Relaunch hingelegt. Das Fazit von norisk: „Eine noch höhere Performance, mehr Komfort, erleichtertes Handling und gute Anpassung an die aktuellen Standards. Durch das Refactoring wird eine schnellere und strukturiertere Projektumsetzung ermöglicht, was nachhaltig die Implementierungskosten in neuen Projekten reduziert.“ Wir haben also hier eine Lösung geschaffen, die unschlagbar ist, wenn ein E-Commerce Projekt sich rechnen soll und sich die Kosten schnell amortisieren müssen.

Strategisch hat sich auch sehr viel bei OXID getan. Ihr habt Euer Geschäftsmodell vom reinen Hersteller gewandelt. Wo bewegt sich OXID eSales künftig hin?

Im Herzen sind wir eine Software-Schmiede. Aber Fakt ist, dass Software alleine heute nicht mehr ausreicht. Es ist das Gesamtpaket aus Produkt, Service, Know-how und Dienstleistung, das heute gefragt ist. Genau dahingehend richten wir uns aus.

Der nächste große Schritt geht in Richtung Internationalisierung. Was unsere Software längst kann, nämlich Shops in unzähligen Sprachen und Ländern bereitzustellen, zieht OXID als Unternehmen jetzt nach. Im Fokus stehen verstärkt Vertrieb und Marketing in Österreich, der Schweiz und den europäischen Nachbarländern.

Außerdem behalten wir das Ohr am Markt. Und da hören wir derzeit von vielen Unternehmen, die befürchten, durch die fortschreitende Digitalisierung abgehängt zu werden. Da geht es nicht mehr nur alleine um ein digitales Vertriebsmodell, sondern um Industrie 4.0 Prozesse und IoT. Deshalb befassen wir uns intensiv damit, wo die Schnittstellen zwischen E-Commerce und Industrie 4.0 liegen und was wir als Hersteller dazu beitragen können. Der erste Think Tank „E-Commerce meets Industrie 4.0“ fand am 17. Oktober statt und brachte Experten aus Forschung, Handel und Industrie an einen Tisch. Mit teils erstaunlichen Erkenntnissen, die über kurz oder lang auch in unsere Produkte und Services einfließen werden.

Ist für Euch das Thema Open-Source und Community Development noch relevant?

Aber sicher. Wir geben hier sogar noch mehr Gas und bringen den Open-Source-Gedanken auf das nächste Level. Ab der Version 6 ist der Software Code auch für die Enterprise Edition 100% quelloffenen. Wir vertrauen voll und ganz in unsere Partner, die sich ab sofort nicht mehr um verschlüsselte Blackboxes sorgen müssen und ihre eigenen Ideen in unser Produkt einbringen können.

Wo siehst Du die nächsten Jahre die Branche in Bewegung? Steckt der E-Commerce tatsächlich im Zeitalter des Stummfilms?

Dem Handel stehen große Veränderungen bevor. Wenn wir den Grad der Vernetzung gerade von Ladengeschäften und dem Onlinehandel sehen, gibt es hier noch erstaunlich wenig gute Konzepte und Händler, die sich trauen solche zu entwickeln und umzusetzen.

Mit unser OXID eShop POS-Lösung auf Basis von Pyramid Polytouch®, bringen Händler den Onlineshop in Form eines bis zu 55 Zoll großen Multitouch-Displays direkt in das Ladengeschäft. Mit der Partnerlösung von Poseidon sogar ins Schaufenster. Und erst kürzlich haben wir mit Ameria auf der dmexco einen lebensgroßen Avatar vorgestellt, der im Schaufenster oder am Point of Sales auf spielerische Weise die Menschen anspricht, sich mit ihnen in Interaktion begibt und sie noch im Laden selbst oder über einen Checkout-Prozess mit dem Smartphone zum Kunden konvertiert. Die Technologie ist also vorhanden. Was fehlt ist die Umsetzung intelligenter Konzepte. Und da wird sich der stationäre Handel, aber auch der reine Online Pure Player noch etwas einfallen lassen müssen, um die nahtlose Customer Journey, die der Kunde sich heute wünscht, abdecken zu können.

Content Commerce ist ebenfalls ein großes Thema, wo längst noch nicht alle Händler da angekommen sind, wo der Shopbesucher sich gerne sehen würde. Dieser erwartet ein Einkaufserlebnis, das er in den Läden vieler Innenstädte nicht mehr findet, einen Mehrwert im Vergleich zu Amazon und Inspiration, was ihm das gewünschte Produkt liefern könnte. Ein Kunde ist heute sehr viel informierter als früher. Er recherchiert, bevor er irgendwo zugreift. Und er tut es bevorzugt dort, wo die Seite schnell lädt und ihn auf attraktive Weise zum Produkt und in entsprechende Welten führt. Dieser Weg geht nur über Content Commerce.

Wie schätzt Du das Thema SaaS vs. On Premise Software ein?

Ich glaube, es gibt hier (noch) kein entweder oder. Wir sehen, dass im E-Commerce gerade im Enterprise Segment sehr viele unterschiedliche Technologien und Services integriert werden müssen. Es gibt Kunden, die diese heterogene System- und Dienstleisterlandschaft gerne selbst verantworten und die Daten bevorzugt auf dem eigenen Server haben. Und es gibt Kunden, vor allem jene, die E-Commerce nicht in ihrer DNA haben, die gerne alles aus einer Hand beziehen, sich von den Vorteilen von SaaS überzeugen lassen und froh sind, die Verantwortung in Händen eines Dienstleisters zu wissen. Seit 2013 haben sich die Marktanteile von SaaS mehr als verdoppelt. In Deutschland gibt es gegen Cloud-Lösungen noch viele Vorbehalte, die allerdings weniger werden.

Welche aktuellen und kommenden Trends spielen im E-Commerce und speziell für OXID eine Rolle?

Einige davon habe ich oben bereits angesprochen. Da ist der Nachholbedarf der Händler im Omnichannel. Da sind Einkaufswelten, die der Shopbetreiber über Content Marketing und Storytelling erstellt, und die für das Neukundengeschäft zentral sind, aber auch Bestandskunden langfristig binden. Und im Kontext von Industrie 4.0 wird sich der Kundenzugang über die Vertriebsprozesse hinaus bis an die Werkbank verlängern, weil z.B. Kunden mit der Bestellung eines individuellen Produkts in Losgröße 1 direkt den Produktionsvorgang über den Shop anstoßen.

Da ist außerdem das B2B-Segment, wo sich in den nächsten Jahren noch sehr viel tun wird. Zum einen, weil ein neuer Einkäufertypus sich für den Firmeneinkauf denselben Komfort wünscht, wie als Endverbraucher. Und weil Unternehmen erkennen, dass sie ihren Geschäftskunden und sich selbst mit dedizierten Funktionen und Self-Service Optionen bares Geld sparen, weil Einkaufsprozesse völlig automatisiert, einfach und schnell ablaufen. Dabei werden die Grenzen zwischen B2C und B2B immer fließender werden. Traditionelle B2B Unternehmen, z.B. im Stahlhandel, werden den Zugang zum Endkunden entdecken und ausweiten, schlicht weil die Technologie es möglich macht und der Wandel es erfordert.

Nicht zu vergessen, wir müssen uns zunehmend auf die Post PC- und Smartphone Ära einstellen. Das Internet der Dinge und Wearables machen den Alltag der Konsumenten einfacher und bringen darüber hinaus Spaß. Heiß diskutiert ist das Thema „Künstliche Intelligenz“. Wir stehen hier noch ganz am Anfang und erleben gerade eine Momentaufnahme. Sicherlich macht es einen riesen Spaß über Alexa zu Hause einen Artikel des täglichen Bedarfs zu bestellen, ohne dass ich mich dafür irgendwo einloggen und am PC oder Smartphone einen Prozess durchlaufen muss. Von einer komplexen Kaufberatung sind wir hier jedoch noch weit entfernt.

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Über Lars Denzer 78 Artikel
Geboren 01.09.1971, Studium an der TU-Kaiserslautern, Abschluss Dipl.-Biol. mit Abschluß in der Fachrichtung "neuronale Netzwerke", leitet Lars Denzer die technologische und strategische Entwicklung der omeco GmbH seit Gründung des Unternehmens. Zu den Schwerpunkten von Lars Denzer gehört die Beratung, Konzeption und Umsetzung von eCommerce Software (Shopsystem + Warenwirtschaftssystem). Für den ERP-Shopsoftware.de Blog ist er redaktionell für die Inhalte verantwortlich und pflegt die Marktübersicht der Shopsysteme.

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