Thomas Fleck spricht über die blugento shop factory, die Magento (P) SaaS Multishop-Lösung

blugento shop factory

Magento Experte Thomas Fleck von NetresearchViele Shopsoftware-Hersteller bieten neuerdings ihre On Premise Software als SaaS Lösung an. Dies ruft mich selbstverständlich einmal auf den Plan, um zu prüfen, ob es sich hierbei tatsächlich um SaaS Charakter handelt oder vielleicht doch nur eine „Hosted“ Edition, denn das sind “zwei Paar Schuhe”. Auf der letztjährigen DMEXCO hatte ich die Gelegenheit mit Thomas über das Netresearch-Projekt blugento shop factory (http://shopfactory.blugento.com/) zu sprechen und im Verlauf dieses Gespräches hatte ich mehrere „Aha“ Erlebnisse, die blugento für eine reine „hosted“ Magento zu einer echten SaaS Lösung machten. Mittlerweile läuft bereits das erste große Kundenprojekt, ein Multishop-System für Universal Music Group, mit der blugento shop factory. Zeit, mehr darüber zu erfahren.

Hallo Thomas, aus welchem Bedarf heraus habt ihr mit Netresearch die blugento Lösung aus Magento heraus entwickelt?

Die Anfänge von blugento gehen zurück bis zu “Magento Go” – der SaaS Lösung von Magento – ungefähr in den Jahren 2012/13. Wir hatten damals den Auftrag für die Lokalisierung für Magento Go übernommen. Magento Go war in den USA mit mehreren tausend Händlern auf der Plattform sehr erfolgreich. Es wurde aber im Rahmen der Umstrukturierungen bei Magento (Verkauf an ebay / Weiterverkauf an permira, etc.) eingestellt und kam in Europa nie richtig zum Einsatz.

Wir fanden die Idee aber spannend und sind dran geblieben. Ursprünglich haben wir blugento als SaaS Lösung für kleine und mittlere Händler konzipiert. Wir mussten dann aber feststellen, dass es dafür in Deutschland keinen Markt gibt. Übrigens ganz im Gegensatz zu Rumänien, wo unser Partner Mindmagnet sehr erfolgreich mit dem blugento shop ist und mehrere hundert Kunden betreut.

Während dieser Zeit haben wir aber viel gelernt und festgestellt, dass es eine ganze Reihe von Anwendungsfällen gibt, in denen Händler und Hersteller mehr als einen Shop benötigen: Konzerne mit mehreren Marken, die noch dazu in verschiedenen Ländern tätig sind, Franchise-Unternehmen und Verbundgruppen, bei denen die einzelnen Partner eigenständige Unternehmen sind, aber das Erscheinungsbild und Sortiment zentral gemanaged werden. … und dann nicht zuletzt die Unterhaltungs- und Medienindustrie, die wie Universal Music für jeden Künstler einen eigenen Shop benötigt.

Wie kann man sich Euer Multishop Szenario konkret vorstellen? Was macht die blugento shop factory zum echten Multishop?

Mit der blugento shop factory kann man eine beliebige Anzahl von unabhängigen Magento-Shops zentral managen und verwalten. Hierbei unterscheidet sich allerdings unsere Lösung von der bekannten Magento-Multistore-Lösung, in der man in einer Magento-Instanz mehrere Magento-Shops managen kann. Im Gegensatz dazu, werden über die blugento shop factory komplett unabhängige Magento-Instanzen in einem von Magento unabhängigen zentralen Backend erstellt und gemanaged, ohne jegliche Wechselwirkungen und Abhängigkeiten. Das bringt viele Vorteile im alltäglichen Umgang und für die Erfüllung der unterschiedlichen Ansprüche der Shops mit sich. Die Zugriffsrechte können viel besser differenziert werden, die Flexibilität bei der Individualisierung der Magento-Shops ist größer und verschiedene Performance-Anforderungen der Shops können besser berücksichtigt werden. Zudem ist eine rechtliche Trennung der Magento-Shops zur Zuweisung in verschiedene Firmen möglich und ein späteres Herauslösen einzelner Shops viel einfacher zu bewerkstelligen.

Da wir an Magento selbst keine Veränderungen (am Core) vornehmen, kann man natürlich auch weiterhin die “eingebaute” Multistore-Funktion nutzen. So betreibt Universal Music eben nicht nur eine Vielzahl von Shop-Instanzen – eine pro Künstler – sondern jeder einzelne Shop nutzt die Magento Multishop-Funktionalität für die jeweiligen Ländershops (USA, AUS, UK, FR, …) Gerade daran sieht man deutlich, dass der Bedarf an einer Vielzahl von Shop-Instanzen durchaus parallel zum Anwendungsfall Multishop existieren kann.

Eigentlich ist die blugento shop factory eher eine PaaS als eine SaaS-Lösung, da die Magento-Shops individuell konfiguriert sein können. Wir verbinden hier die Vorteile von Magento als Open-Source-Shopsoftware, die beliebig erweitert und modifiziert werden kann, mit den Vorteilen der Cloud. Diese einzigartige Kombination ist derzeit bei keinem anderen Anbieter zu finden.

Als PaaS befähigen wir Agenturen, eigene SaaS-Lösungen auf Basis von Magento anzubieten. Einer unserer Kunden entwickelt zum Beispiel eine Branchenlösung für Küchenstudios. Er verfügt über das Insiderwissen, welches in diesem Segment erforderlich ist. Daraus entsteht eine Art “Magento Master” mit allen erforderlichen Extensions und Konfigurationen, die dann mit der blugento shop factory ausgerollt werden können.

Funktioniert Eure blugento Lösung auch im Enterprise Umfeld? Für welche Kunden ist blugento konzipiert?

Auch wenn wir ganz am Anfang eher die kleineren Kunden im Blick hatten, ist die blugento shop factory inzwischen eine Lösung für den Einsatz im Enterprise-Umfeld. Dies wird unter anderem an folgenden Funktionen deutlich: Single Sign-on, Autoscaling, Continuous Integration und zentrales Produktdatenmanagement.

Bei einem unserer Kunden arbeiten mehr als 150 Bearbeiter / Shopmanager mit der blugento shop factory und managen perspektivisch fast 1.000 Shops. Daneben belegen auch die Last- und Performance-Werte des Kunden mit bis zu 586 tausend Request per minute on the CDN und mehreren tausend Ordern pro Minute, dass die blugento shop factory für den Einsatz im Enterprise Umfeld geeignet ist.

Wie schon erwähnt, eignet sich die blugento shop factory für Kunden und Anwendungsfälle, bei denen mehrere Shop-Instanzen benötigt werden. Dies ist nach unserer Einschätzung vor allem dann der Fall, wenn die Unternehmen mehrere Marken betreiben, international tätig sind oder insbesondere aufgrund ihrer Franchise oder Verbundstruktur in einer Vielzahl von rechtlich selbständigen Unternehmen zusammenarbeiten.

Es müssen dabei nicht immer hunderte Shop-Instanzen sein. Schon ab drei bis fünf Shop-Instanzen kann die shop factory ihre Stärken ausspielen, da auch das Thema dev – stage – production Deployment-Cycle bzw. Continuous Integration über die blugento shop factory abgebildet wird.

Was genau war die Anforderung von UMG und wie lief die Umsetzung ab?

Die Anforderungen von Universal waren eigentlich recht simpel: Jeder der bis zu 2.500 aktiven Künstler sollte seinen eigenen Shop bekommen. Der Aufwand pro Shop-Built sollte unter 20 h liegen. Jeder Shop sollte eigenständig sein, um bei den zu erwartenden Lastspitzen individuell skalieren zu können. Ein zentrales Management von Updates, Usern und Produkten stand auch noch auf der “Wunschliste”.

Systemseitig waren Magento 2 Enterprise, Magento Order Management, Akeneo, Drupal und AWS gesetzt. Dazu waren noch einige kundenspezifische Service und Prozesse zu integrieren bzw. umzusetzen.

Welche Komponenten habt ihr in das System „out of the box“ integriert, um ein möglichst vollständiges Angebot zu erhalten?

Gemäß unserem Mission-Statement “in everything we do, we enable and connect people” ist es unser Ziel, unsere Kunden bestmöglich zu befähigen, mit Hilfe unserer Lösungen ihre Aufgaben zu erledigen und Ihre Ziele zu erreichen. Aus diesem Grund wurden ausschließlich bewährte Open Source Komponenten eingesetzt und Anpassungen ausschließlich so vorgenommen, dass der Core nicht verändert wird. Dies führt dazu, dass der Trainingsaufwand sehr gering ist. In nur einer Woche haben wir ein internationales Team geschult, welches danach in weniger als 6 Wochen 60 Shop-Intanzen live gebracht hat.

Kannst Du ein bisschen auf die Technik eingehen, was Euer System nun tatsächlich zur „SaaS“ macht und nicht „hosted On Premise“?

Wie schon erwähnt, sehen wir die blugento shop factory eher als PaaS-Lösung, bei der der Entwickler durchaus eigenen Code zur Anwendung bringen kann. Aus Sicht des Shop-Managers verhält es sich dann eher wie eine “SaaS” Lösung mit der man mit wenigen Handgriffen einen Shop live bekommen kann. Wir erreichen das durch eine “durchgehende Dockerisierung” – und einen durchdachten Workflow vom code-commit über den build-prozess bis hin zum Deployment in der Cloud.

Apropos Cloud – in unserer Roadmap steht “cloud agnostic” – es ist also unser Ziel, unseren Kunden die Wahl zu lassen, ob sie lieber AWS, Azure oder einen anderen Cloud-Service nutzen wollen. Unsere ersten Prototypen mit Kubernetes sind recht vielversprechend.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Data Hub“ – welche Daten integriert ihr damit?

In den blugento data hub fließen die Forschungsergebnisse von vielen Jahren ein. Wir standen und stehen bei Shop-Projekten immer wieder vor der Herausforderung, Produkt- und Kundendaten, Bestellungen, Verfügbarkeiten etc. über verschiedene Systeme hinweg auszutauschen. Vereinfacht gesagt ist der blugento data hub eine Kombination aus Enterprise Service Bus und semantischer Datenbank. Konkret in Kombination mit der blugento shop factory können die Produktdaten in einem zentralen PIM (z.B. Akeneo) unabhängig vom Shop gepflegt werden. In dem Moment, in dem der Shop erzeugt wird, werden die Daten in den Shop eingespielt und die Zeit bis zum Launch des Shops kann erheblich verkürzt werden.


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Über Lars Denzer 80 Artikel
Geboren 01.09.1971, Studium an der TU-Kaiserslautern, Abschluss Dipl.-Biol. mit Abschluß in der Fachrichtung "neuronale Netzwerke", leitet Lars Denzer die technologische und strategische Entwicklung der omeco GmbH seit Gründung des Unternehmens. Zu den Schwerpunkten von Lars Denzer gehört die Beratung, Konzeption und Umsetzung von eCommerce Software (Shopsystem + Warenwirtschaftssystem). Für den ERP-Shopsoftware.de Blog ist er redaktionell für die Inhalte verantwortlich und pflegt die Marktübersicht der Shopsysteme.

2 Kommentare

  1. Danke @Lars – bin gespannt, ob sich hier eine Diskussion rund um das Thema Multishop vs. Multiple Shop-Instanzen oder SaaS vs. PaaS ergibt. 😉

    • Hallo Thomas – das wäre natürlich super. Wer also Fragen zu dem Thema hat oder Feedback hinterlassen möchte, kann die Kommentar-Funktion gerne nutzen. Thomas wird die Fragen entsprechend kommentieren bzw. antworten.

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